Unflexibel wie ein Brett…

…ich bin ja viel zu unflexibel für Yoga…

Hhmmm, wenn der Satz so da steht, kommt er euch nicht auch komisch vor? Ich möchte da gleich fragen: WAS ist unflexibel?

Der Körper? Dann solltest du auf jeden Fall mal Yoga ausprobieren! Oder ist es doch der Geist? Wenn es Zweiteres ist, dann wäre Yoga sogar noch empfehlenswerter!

Pinterest, Instagram und Co sind ne tolle Sache, aber leider hat sich dadurch auch bei vielen im Kopf festgesetzt, dass schöne Menschen, spektakuläre Asanas (Körperübungen) bei Sonnenuntergang am Strand machen.

Einbeinig, einhändig, kopfübergedreht, der Linke Zeh am Kopf, der Rücken einem Kipferl gleich gebogen mit einem lächelnden Gesicht in atemberaubender Atmosphäre oder im heimischen (durchgestylten Wohnzimmer) präsentieren sich die Yoginis uns Yogis.

Versteht mich nicht falsch, auch ich habe eine Pinwand bei Pinterest wo ich solche ästhetischen Bilder sammle, aber es ist auch nur ein Teil der Wahrheit. Ein Pinselstrich im ganzen Yoga – Gemälde. Was ist also unflexibel? Dein Körper, der das (noch) nicht kann oder dein Ego, dass das unbedingt sofort können will und muss oder dir sagt, dass du das garnicht erst probieren brauchst, weil es zu schwer ist?

Respekt vor der körperlichen Leistung, der unermüdlichen Übung und der Disziplin, die diesen Fotos vorausgegangen sind! Respekt auch vor einem klaren, fokussierten Geist, der dieses Ziel erreichen wollte. Aber wie gesagt, es ist nur ein Teil des Ganzen. 

„Yoga ist, wenn die Bewegungen des Geistes zur Ruhe kommen. Dann entsteht die Fähigkeit jenseits aller vorgefassten Meinungen und Vorstellungen das Wahre zu erkennen.“  Yoga Sutra 1.2. & 1.3.

Also, was ist unflexibel?

Hier ein wenig „Echtzeit“ Yoga – wir sehen uns auf der Matte! 

Alles Liebe

 

Patricia

„…ich bin ja nicht so der Eso – Freak …“

…eine weiß gekleidete Frau mit Turban saß vor uns…

…eine weiß gekleidete Frau mit Turban saß vor uns, die Arme gehoben (um die Energie im Raum zu halten), rezitierte sie seit gut 15 Minuten ein Mantra und ich dachte mir fallen die Hände ab, denn die hatte ich über den Kopf gehoben und bewegte sie seit 15 Minuten. Schweißperlen standen auf meiner Stirn, hatte ich erwähnt das es Sommer ist und 45 Grad im Raum herrschten? Man konnte die Luft schneiden, so aufgeladen war sie (´türlich hatten die geschlossenen Fenster wohl auch ´was damit zu tun – die Energie sollte ja nicht einfach davonfliegen, die wir hier erzeugten). Langsam spürte ich meine Arme nicht mehr, meine Augen vielen immer wieder zu, mein Kopf war leer, da war nur mehr das Mantra, das sich immer und immer wieder wiederholte…

Wäre es meine aller erste Yogastunde gewesen, ich wäre weggelaufen und nie wiedergekommen. Alle Klischees die ich so im Kopf hatte zu dieser Zeit wären bedient worden. Inklusive komischer, modischer Auswüchse mit Kirchencharakter – nein, ich wäre nicht bei Yoga geblieben. So eine Eso-Sache, das war nichts für mich…

Wie man an dieser Seite sieht bin ich bei Yoga geblieben und oben geschildertes Ereignis fand während meiner Yoga Intensivtage, die ich im Zuge meiner 200 RYT Yoga Lehrer Ausbildung besuchte, statt. Ich bin nicht davongelaufen, kann aber bis heute nicht genau in Worte fassen, was da passiert ist. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich später in Indien, aber dazu ein anderes Mal. Viel wichtiger, das war auch Yoga. Um genau zu sein: Kundalini Yoga.

Kurz und gut: Yoga ist nicht gleich Yoga. Und dein Yoga findet dich, oder du deinen Stil, wenn du auf die Suche gehst und offen bist. Die Yogawelt ist bunt, sammle Inspiration.

Zu der Eso-Sache…

Esoterik hat viel Kritik einstecken müssen. Die Esoterik wird gerne in ein Schmuddeleck voll Scharlatane und böser Gurus gesteckt, ein negativer Ton schwingt mit, der Geschmack von „Wunderwasser“ das alles heilt solange du genug dafür zahlst und der Duft nach Erleuchtung im Schnellverfahren – Esoterik sells.

Doch was bedeutet denn eigentlich Esoterik, Spiritualität, Religion und Yoga?

Vorweg: Das Thema ist wahnsinnig vielschichtig und ich kann dir hier nur meine Sicht der Dinge wiedergeben und einen Hinweis auf die allgemeine Definition. Ich mach´s kurz und schmerzlos, versprochen.

ESO: Ursprünglich bedeutet es eine (Geheim)Lehre die nach innen führt. Heute steht es gern in der Buchhandlung über all den schönen Yogabüchern, aber auch Selbshilfebücher und Lebenshilfebücher stehen gerne unter dem Titel. Oft wird es eher negativ verwendet. Einigen wir uns auf: Lehre, die sich nicht jedem erschließt (nur die, die sich wirklich intensiv damit beschäftigen und reflektieren) und auch Spiritualität, Religion und Yoga miteinbezieht. Hier geht`s weiter zu WIKI, wenn du dich mehr mit dem Thema beschäftigen willst.

Spiritualität & Religion: Sind Konzepte die sich mit dir und deiner Umwelt beschäftigen und mit der Welt an sich. Religion glaubt, Spiritualität erfährt (subjektiv, z.B.: beim meditieren)

Yoga: Für mich ist Yoga, eine Erfahrungswissenschaft mit körperlichen und geistigen Elementen. Zentrale Fragen: Wie gehe ich mit dem was in meinem Kopf und Körper passiert um? Wie gehe ich mit mir und meiner Umwelt um? (Yamas und Niyamas) Wer bin ich? „Yoga ist, wenn die Bewegung des Geistes zur Ruhe kommt“ – Yoga Sutra 1.2.

Und doch ist Yoga so Vieles mehr… Lebenseinstellung, Ausgleich, Workout,…

Was ist Yoga für dich? Finde es heraus und schau´im Studio vorbei.

„…Yoga ist doch nur rumsitzen in Wollsocken und atmen!“

„Warum soll ich zum Yoga gehen? Das ist doch nur rumsitzen in Wollsocken und atmen. Viel zu wenig Bewegung für mich!“ So, oder so ähnlich waren meine Gedanken vor meiner ersten Yogastunde. Ich hatte ein ziemlich einseitiges Bild von Yoga im Kopf. Alternde Hippies, asketische Lichtwesen und Ökofreaks sitzen in einem Räucherstäbchen nebligen Raum und atmen sich gemeinsam ins Nirvana.

Ich war eher der Typ, wenn schon Nirvana dann die Band, wenn schon rauchige Luft, dann von meiner Marlboro (gerne auch jede andere Zigarettenmarke). Kollektives Atmen in einem Raum voller Menschen die alles und jeden mit ihrer friedvollen Liebe überschütten möchten war nicht gerade die Vorstellung von mir, wie ich meine Freizeit verbringen wollte. Die Sache mit dem Verbiegen von Körperteilen rang mir Respekt ab, aber schreckte mich auch ein wenig ab.

Und überhaupt, was soll an sitzen und atmen so toll sein? Wo liegt da der Reiz? Wo die Herausforderung? „Sitzen kann doch jeder, und warum soll ich für´s atmen Geld zahlen?“ dachte ich mir.  Brauche ich wirklich Gesellschaft beim atmen? Macht das einen Unterschied?

Manche Antworten auf meine Fragen entdeckte ich erst viel später auf meinem Yogaweg, manche bekam ich gleich in meiner ersten Einheit: Sitzen und SITZEN ist ein großer Unterschied!

Was macht dein Rücken gerade, während du das hier liest? Schief, krumm? Beine überschlagen? Dann erst weiter im Text, wenn du gerade sitzt (gerne auch am Boden).

Also zum Thema SITZEN: Ein „bequemer“ aufrechter Sitz kann ganz schön anstrengend sein (oder werden) am Anfang des persönlichen Yogaweges. Quasi ein aufmerksames Sitzen, ein achtsames (Yogis lieben dieses Wort, inspiriert mich zum Yoga Bingo) Sitzen. Da spürt man auf einmal Muskeln in seinem Rücken, von denen wußte man gar nicht, das sie da sind. So ein gut eingerichteter Schneidersitz mit einer aufgerichteten Wirbelsäule geht ganz schön rein, wenn man mal längere Zeit darin verbringt. Entspannung? Weit gefehlt! Zu Anfang hab´ ich mich beim sitzen (ja, SITZEN!!!!!!) mehr verspannt als sonst wo. Und ja, man kann im Rücken vom SITZEN einen Muskelkater bekommen… Hilfsmittel wie Blöcke helfen ein wenig, aber sind wir uns ehrlich: für 90% der Yoga Newbies ist SITZEN anstrengend. Punkt.

Auch das vermeintlich einfache Thema Atmen stellte sich als schwieriger heraus als gedacht. Wie soll ich bloß in meine große Zehe atmen? Kleiner Scherz, Atemführung kommt erst später. Aber schon die Basics können eine Challange darstellen. Die volle Yogaatmung führt einem so richtig schön vor Augen, wie wenig Platz man zum atmen nutzt und was die ein oder andere Schachtel Marlboro (oder eine andere Marke) angerichtet hat. Aber auch den Nichtrauchern geht es da nicht besser (außer sie spielen ein Blasinstrument oder sind Taucher). Für mich war das ein Yoga – AHA – Erlebnis (eines von vielen, in den folgenden Jahren). Tiefes, volles Atmen hatte ich offensichtlich verlernt und bei der Einatmung soll sich mein Bauch nach außen bewegen… Jahrelanges Baucheinziehen, ließen diese Übung ein seltsames Gefühl erzeugen und weil sonst nur die Brust zum Atem genutzt wird, muß man da erst mal wieder Raum schaffen.

Und da reden wir nur mal von der vollen Yogaatmung die vom Bauch zu den Schlüsselbeinen geht und dann wieder retour, nicht von den Pranayamas, den Atemübungen.

Aber kommt Zeit kommt Atem! Yoga lässt uns wieder Raum zurückerobern! Und bei den Pranayamas gibt es ein paar abgefahrene Techniken. Wußtest du, das es eine Atemübung gibt die dich bei den heißen Sommertemperaturen der letzten Jahre kühlt? Der „leuchtende Schädel“ eine Atemübung ist? Oder das dein Atem tatsächlich und wissenschaftlich nachgewiesen, deinen Blutdruck senken kann und beruhigend auf dein Nervensystem wirkt? Ich bin mittlerweile ein „Atem – Fan“ und ganz nebenbei auch Nichtraucher (YEEEEEEEEAAAAA!!!!!!)

SITZEN kann ich mittlerweile auch. Baucheinziehen ist nicht mehr nötig – mein Rücken ist jetzt so stark, dass ich viel aufrechter geh´, steh´ und sitze: Macht nen tollen Bauch.

Last but not least: ich liebe meine „ Yogasocks„!

Warum YoGa?

WARUM YoGa?

„…nur rumsitzen, und atmen in Wollsocken – das ist mir zu wenig Bewegung!“

„…ich bin ja nicht so der Eso – Freak …“

„…ich bin viel zu unflexibel für Yoga!“

„…ist das nicht eine Sekte?“

„…ich bin zu alt/jung/groß/klein/dick/dünn… für Yoga.“

„…ich bin entspannt, wozu also Yoga?“

„…ich schau sicher komisch dabei aus, so unbeweglich wie ich bin.“

„…das ist doch nur was für Frauen.“

„…Yoga ist mir zu weichgespült – zu soft.“

„…ich mache schon viel Sport, warum also auch noch Yoga?“

Hast du dich vielleicht in der ein oder anderen Aussage wiedererkannt? Ich möchte hier mit dem ein oder anderem Klischee aufräumen, Fragen beantworten die du nie zu stellen gewagt hast und dich mit der ein oder anderen Antwort überraschen. „Warum YoGa“ ist als Reihe gedacht und jedes Monat nehme ich ein anderes Klischee unter die Lupe.