IdeenRaum@Zwirnschmalz

Happy in Mistelbach

Mistelbach ist für mich:

56 Nationalitäten, das rattern von Nähmaschinen (alte, gespendete Singer Nähmaschinen, die wieder in Schwung gebracht wurden) ein Beet das verbindet – und ein Küchentisch der alle und alles zusammenbringt.

Die Reise nach Mistelbach, Veronika und einem Küchentisch voll Inspiration:

Vor circa 2 Wochen machte ich mich mit meinem Zucchinipflänzchen auf den Weg nach Mistelbach. 9ter Mai, Wien grau in grau gekleidet und kalt. Im Zug dachte ich darüber nach, was mich in Mistelbach erwarten würde, welche Gesichter sich hinter den Yoga Accessoires mit Herz, die ich in meinem Studio verwende und auch verkaufe verbergen.

Veronika hatte ich ein paar Mal getroffen, private Klops Dealerin und eine der Gründerinnen von Zwirnschmalz. Eine Fülle Frau (laut eigener Aussage und ich stimme dem zu – eine Frau, smart mit Format) mit viel Sinn für (auch gern schrägen) Humor und einem großformatigen Herzen, das ALLE inkludiert.

Mistelbach Feeling:

Während die knallgelben Rapsfelder vorbeizogen, die Sonne rauskam und ich mein kleines Zucchinipflänzchen in Händen hielt, ließ ich mir nochmals meine Fragen durch den Kopf gehen. Als ich ankam war es ruhig in Mistelbach und sonnig.

Es fühlte sich an, als atmete ich aus nach dem schnellen Puls der Stadt. Die nächste Einatmung brachte Ruhe, frische Luft und ein Gefühl von Raum.

Das Beet ist voll:

Veronika hatte mir vorab eine Wegbeschreibung zu ihrem Haus geschickt, vorbei an dem Gemeinschaftsgarten „Das Beet ist voll“, auch ein Projekt von Zwirnschmalz. Ganz zaghaft beginnen hier die Pflänzchen zu wachsen, viele gespendet, einige zugekauft. Gepflanzt von Mistelbachern und Neumistelbachern. Noch ist nicht viel zu sehen, aber was sichtbar ist: ein gepflegter Boden für den Sorgen getragen wird, Setzlinge die beginnen zu wachsen und der Garten als Aufgabe gegen Langeweile und Hilflosigkeit der Neumistelbacher die (oft schon seit Jahren) auf die Bestätigung ihres Asylantrags warten. Zur Passivität gezwungen – kein schönes Gefühl, wenn man nicht selbst bestimmen kann, warten muss…

Letztes Jahr hat (ein kleineres) Gemeinschaftsbeet 40 Gläser Tomatensugo gebracht und 15 kg Kirschen wurden zu köstlicher Marmelade verarbeitet. Überschüsse wurden verteilt, eingekocht und auch verkauft, der Ertrag ging wieder an den Verein um neue Projekte zu finanzieren. Ich hoffe, dass auch dieses Jahr ganz viel wächst und gedeiht – ich bin eine große Pasta Liebhaberin und was gibt es wohl besseres als ein Tomatensugo, dass mit soviel liebevoller Energie aufgeladen ist!

Am Beet vorbei, rechter Hand dann die Straße in die ich muß. Das Haus leicht zu erkennen, obwohl ich noch nie da war: es muß das mit dem großen roten Elch und den Sparten – Käfern am Haus (siehe Fotos unten) sein.

Adele und Roja:

Am Gartenzaun eine junge Mutter mit ihrer Tochter, die auch ins Haus möchten, Adele und Roja, wie ich später erfahre, Teil der Nährunde und Neumistelbacher seit 2015. Adele war früher Schneiderin in ihrem Land und steht mit einer Engelsgeduld mit Rat und Tat zur Seite, wenn sich zum Beispiel das Schnittmuster der Wendeschürze nicht erschließen will. Roja, die ihren Platz normaler Weise am Tisch bezieht, weicht auf die Couch aus zum Hausübung machen und überlässt mir ihren Platz am Tisch.

Einblicke, Ausblicke und der Holztisch:

Das rattern von Nähmaschienen, lachen, der Duft nach Tee, lustige Bommeln am Fenster, eine Klangschale, einige Pflanzen und bunter Stoff. Die Stimmung ist heimelig – wohlig. Alle sind emsig beschäftigt und während Stoff durch die Finger gleitet, jeder in seinem Rhythmus ist bekomme ich eine Idee davon, was es heißt „im Flow“ zu sein. Ich werde ganz still (fast schon schüchtern) und schalte auf Empfang, sehen, spüren… beobachten.

Der Stoff aus dem die Träume sind:

Knallige retro Muster aus den 70ern, Dirndelstoffe und die ein oder andere Jeans von mir, der ein zweites Leben geschenkt wurde. Ein Raum voller Stoff, bunt aber fein säuberlich sortiert. Alte Koffer beherbergen Zwirnschmalzstücke mit Herz (recyclete Stoffe, sozialer Hintergrund) und Hirn (praktisch & sinnvoll) in allen Größen und Einmachgläsern, Blechdosen und Holzkästchen geben Spulen und Knöpfen ein neues Zuhause. Mizis, Lankas und       in bunten Farben geben eine Idee, was aus all den Stoffen einmal wird. Und ich stellte im Geiste schon eine Liste zusammen was ich für mein Studio kaufen wollte und wer von meiner Familie und Freunden, was brauchen könnte. Nicht zu vergessen, dass mein Fahrrad, dass eher einem Einhorn gleicht sicher noch eine poppige Lenka mit mexikanischen Muster braucht!

Tischgespräche, Nähmeditation, Philosophie am Küchentisch und ganz nebenbei Integrationshilfe:

In der Zwirnshmalzzentrale, Veronikas Küchentisch – ZUMV = Zentrum für Umverteilung. In fröhlicher Runde werden Stoffspenden gesichtet, recycelt. Neue Projekte besprochen, mittlerweile ist Silvia auch gekommen und ich freue mich die Co – Gründerin kennen zu lernen. Es herrscht schon den ganzen Tag ein Kommen und Gehen. Das Haus ist offen für alle, mal kommt jemand auf einen Plausch, mal beginnt jemand zu nähen, mal wird ein neues Projekt getestet.

Das Haus, wie auch seine Bewohnerin ist offen für alle – eine „inklusive Gemeinde“ sei Mistelbach, wie mir Veronika verrät. „Wir kümmern ums Zuviel für Leute die zu wenig haben“ meint Sylvia. Und wir beginnen über Werte zu philosophieren, über unsere Gesellschaft und den ungezügelten Konsum, der oft ein Ausgleich sein soll zu einem Leben, dass uns eigentlich nicht glücklich macht.

Und da wiederum kommt Veronika ins Spiel, wenn wir aufhören zu horten, wieder Raum zu schaffen, innerlich wie äußerlich: Veronika Goller – Trennungshife für Menschen, die ihren Sachen ein zweites, sinnstiftendes und kreatives Leben geben möchten. Meine alten Jeans sind jetzt zum Beispiel tolle Yoga Kissen geworden (schau mal im Studio vorbei, da warten sie schon auf ein neues Zuhause).

Alle hier, sehen das, was sie hier tun als sinnvolle, schöne Freizeitgestaltung an. „Nähmeditation“ wie Barbara, ein neues Mitglied der Nährunde sagt. Und ganz nebenbei ist der Verein entstanden. Das hier ganz viel bewegt wird, Neumistelbacher/innen integriert werden, passiert ganz nebenbei, ganz einfach und mit Spaß und Herz!

 

Hier gehtˋs zu Zwirnschmalz (Stoffspenden immer willkommen)

Wenn du wissen willst, wie „happy“ Mistelbach ist, dann schau´ mal hier rein: https://www.youtube.com/watch?v=BqhtR-7hllM

Yoga Accessoires mit Herz kaufen und Zwirnschmalz damit unterstützen, dann komm´ bei mir im Studio vorbei: Mein Raum Yoga: 1030 Wien, Radetzkystraße 18/Top 1

Wer ist diese „Fülle Frau“, die das alles auf die Beine gestellt hat? Nächstes Monat könnt ihr in meinem Blog in einem sehr persönlichen Fragebogen mehr über sie erfahren!

Was habe ich in Mistelbach gemacht? Ich habe einen großen Yoga –  Bolster mit Bio Dinkelspelz gefüllt und es beyogt – meine Talente liegen eben woanders, nicht im nähen…aber ich darf wiederkommen, in das fröhliche Haus in Mistelbach und vielleicht, versuch ich dann auch was zu nähen 😉

 

 

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